Kaum Bewegung während des Lockdowns

Kürzlich wurde publik, dass viele Kinder und Jugendliche während des Lockdowns kaum Bewegung hatten und das hat sich auch drastisch auf das Körpergewicht ausgewirkt. Umso mehr ist es zu begrüssen, dass aktuell der Sportunterricht an den Schulen wieder durchgeführt wird. Etliche Schulen versäumten es , Bewegungs- und Spielangebote während den sechs Wochen für zu Hause anzubieten. Im Volksschulbereich hat sich der Kanton Bern, respektive der Amtsleiter, bemüht, Bewegungslektionen für zu Hause zur Verfügung zu stellen. Bewegungsförderung für den Körper und die Psyche der Kinder sollten weiterhin Platz finden. Letztlich waren aber Schulleitungen und Lehrpersonen in der Pflicht und so ist es wenig verwunderlich, dass vorwiegend Schulen, bei denen der Sportunterricht einen hohen Stellewert hat, aktiv waren. 9 von 10 Jugendlichen bewegen sich weniger als die mindestens empfohlene Stunde pro Tag - eine traurige Bilanz für ein Wohlstandsland.

Die körperliche Passivität ist ein Grund, dass jeder fünfte unter 18- Jährige in der Schweiz übergewichtig ist.

Viele Kinder bewegen sich gerade nur dank dem Schulsport noch etwas und deshalb ist das Einhalten des obligatorischen Sportunterrichtes unabdingbar. Leider liebe Leserinnen und Leser wird der Schulsport von der Politik in der Schweiz sehr stiefmütterlich behandelt und immer wieder müssen wir um diesen kämpfen, obschon dieser sattelfest im Sportförderungsgesetzes des Bundes und auch in den kantonalen Gesetzgebungen verankert ist. Das gilt auch für den Berufsschulsport. Der Kanton Bern glänzt leider überhaupt nicht mit der Durchführung dieses wichtigen Bildungsinhaltes. Seit Jahren versteckt er sich hinter der mangelnden Infrastruktur. Es stimmt zwar, dass zahlreiche Turnhallen fehlen, um diesen flächendeckend sicherstellen zu können. Es wäre längst an der Zeit, die nötigen Infrastrukturen zu erstellen oder Alternative anzubieten. Das Weglassen der Bewegungsförderung für junge Erwachsene ist verantwortungslos. Tatsächlich sind in den letzten Jahren fast 70% des Sportunterrichtes nicht durchgeführt worden. In diesem Zusammenhang ist es mir absolut unerklärlich, wie es die Stadt Bern fertig bringt, eine Turnhalle zu eliminieren um diese in eine Tagesschule umzubauen und so die Jugendlichen um ihre Halle bringt. Es geht nicht an, dass plötzlich nur noch in Fitnesscentern Schulsport durchgeführt werden kann. Das bieten dann nämlich die Schulen als Ersatz an. Fitness ist lediglich ein Teilaspekt des Lehrplanes im Sport. Alle anderen Inhalte wie das beliebte Spielen bleiben auf der Strecke.Ein weiteres Beispiel der Ignoranz gegenüber dem Sport zeigt die sanierte Turnhalle im Breitenrainquartier; sie weist zahlreiche Mängel auf - beispielsweise lediglich einen Sturzraum von einem halben Meter auf. Nota bene - das Bundesamt für Sport hätte Richtlinien für den Bau von Turnhallen und würde detailliert über die Zweckmässigkeit Auskunft geben. Es scheint, dass die Politikerinnen und Politiker sich nicht ernsthaft mit Sport und Bewegung auseinandersetzen wollen und auch regelmässig bereit sind, gegen das Bundesgesetz zu verstossen. Wir haben weder genügend Sportanagen im Kanton noch wird das gesetzlich verankerte Obligatorium des Berufsschulsportes eingehalten. In beiden Fällen wäre der Kanton in der Pflicht und müsste gar für die notwendigen Anlagen und Einrichtungen sorgen. Da der Bund aber auch nicht wirklich hinschaut, plätschert die Angelegenheit seit 20 Jahren vor sich hin. Büssen tun es die Jugendlichen und das ganze gipfelt in einer bewegungsarmen, von Rückenschmerzen geplagten Gesellschaft. Diabetes und andere chronische Krankheiten werden zum Normalfall und die Krankenkassenprämien steigen ins Unermessliche. Bezahlen tut das die Gesellschaft. Die Leitplanken zu lebenslanger Freude an Bewegung setzt man in der Schule und der Ausbildung. Umso rätselhafter die Passivität der Kantone.